Bewusst nichts zu tun, fiel mir schon immer schwer. Selbst das Handy aus der Hand zu legen und nicht schon wieder einen Schritt weiter zu denken, was als nächstes angepackt und von der To-Do-Liste gestrichen werden könnte, war nur selten möglich. „Einfach“ den Moment genießen, abschalten und zur Ruhe kommen – mehr Wunschdenken als Realität. Es ist Fluch und Segen unserer Generation: die Möglichkeiten scheinen so groß und vielfältig, dass sie uns manchmal überrollen. Die Gedanken kreisen ständig, um möglichst schneller, höher und weiter zu kommen. Doch seitdem SIE da ist, ist alles anders.

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First things first

Erst neulich saß ich im Auto und beobachtete zufällig eine ältere Dame, die gemütlich auf einem Kissen lehnte, aus ihrem Küchenfenster schaute und das Treiben der Menschen verfolgte. Wahrscheinlich stand sie dort schon eine ganze Weile und ließ sich stumpf berieseln. Dieses Szenario erinnerte mich an meine Kindheit. Damals war es ganz normal für mich, dass ältere Leute in ihren Fensterrahmen chillten und hin und wieder ein Pläuschchen mit vorbeilaufenden Bekannten hielten. Ich fragte André, ob er glaube, dass wir später auch einmal genauso werden würden. Momentan unvorstellbar.

Ich bewunderte die ältere Dame um ihre Gelassenheit und fragte mich, ob sie Kinder großgezogen hatte und welchen Beruf sie wohl ausübte. Ich war mir sicher, dass sie bestimmt noch einen Berg Wäsche liegen hatte und der Abwasch auch noch nicht erledigt war. Es gibt doch immer etwas zu tun. But first things first.

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Fluch & Segen unserer Generation

Bevor mein kleines Mädchen auf die Welt kam, gönnte ich mir nur selten Auszeiten. Selbst wenn ich es tat, schaffte ich es dennoch nicht, 100%ig abzuschalten. Entweder stalkte ich währenddessen sinnlos Instagram-Profile auf meinem Handy, obwohl ich eigentlich etwas ganz anderes machen wollte oder ich schlief nach ein paar Minuten tief und fest auf der Couch ein, worüber ich mich im Nachhinein noch mehr ärgerte. Wieder nichts geschafft!

Es gab immer Menschen, die mir versucht haben einzureden, dass ich mit Kind noch weniger Zeit haben werde. Ehrlich gesagt, bereitete mir dieser Gedanke große Bauchschmerzen. Ich fragte mich, wie mein Alltag wohl aussehen, meine Selbständigkeit laufen und ob ich überhaupt noch zu irgendetwas kommen würde.

Seitdem sie da ist, ist alles anders.

Mein Baby änderte in der Tat alles! Ich habe definitiv weniger Zeit, das ist wahr. Weniger Zeit für die unwichtigen und belanglosen Dinge des Lebens. Seitdem sie da ist, nutze ich meine Zeit wider Erwarten sinnvoller, effektiver und genieße sie intensiver. Wenn ich mit meiner Tochter spiele, lache oder kuschel, gibt es nur uns beide auf dieser Erde. Als würde die Zeit einen Augenblick lang stehenbleiben.

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Manchmal sitze ich Ewigkeiten mit ihr auf dem Sofa, stille sie und beobachte mein kleines Wunder beim Einschlafen. Sie ist mein wertvollstes „Projekt“, in das ich täglich investiere und dabei jede Millisekunde von großer Bedeutung ist.

Sicher gibt es währenddessen tausend andere Aufgaben, die erledigt werden „müssten“. Doch ich habe die Wahl. Ich habe die Wahl, den piependen Trockner auszustellen und die Wäsche wegzusortieren oder mir weiterhin ihr kleines niedliches Gesicht für die Ewigkeit einzuprägen, das sich sowieso viel zu schnell verändert. Niemand wird mir diese kostbaren Momente jemals wiedergeben können und dessen bin ich mir mehr als bewusst.

Es war noch nie einfacher, im Hier und Jetzt zu leben, Prioritäten zu setzen und abends zufrieden ins Bett zu fallen, selbst wenn einiges liegen geblieben ist. Plötzlich macht alles einen Sinn.

Euer Julchen ♥

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Location | „Chalet Resort La Posch“ in Österreich

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