Am Wochenende fuhren André und ich zum Münchner Flughafen. Nur so, aus Langeweile, ein bisschen rumschlendern, vielleicht etwas shoppen, Fotos machen, Reise-Luft schnuppern und Essen gehen. Ein perfekter Sonntag eben, um die Seele baumeln zu lassen. Doch dann kippte die Stimmung.

Wieder wurde mir bewusst, wie gut es uns doch geht. Uns steht die Welt offen! Wir können das tun, wonach uns der Sinn steht und dahin gehen, wohin wir wollen. Einfach so, weil unsere Grundbedürfnisse gesichert sind und wir genügend Platz in unseren Köpfen für diese „Luxus-Entscheidungen“ haben. Dabei vergesse ich nicht die Menschen in Deutschland, die am Existenzminimum leben und denen es leider nicht besonders gut geht. Dennoch haben wir das Privileg in einem Land zu leben, in dem kein grausamer Krieg herrscht.

Hingegen kommen jeden Tag allein in München ca. 300 neue Flüchtlinge an, hauptsächlich aus Syrien und haben NICHTS. Aufgrund des schrecklichen Bürgerkriegs fliehen sie aus ihrem Heimatland nach Europa, um einfach nur ihr Leben und das ihrer Familien zu retten. Für mich und die Meisten von uns unvorstellbar! Aktuell bekommen wir täglich in den Medien mit, wie schwierig es ist und was für Torturen diese Menschen auf sich nehmen müssen, um das Kriegsgebiet verlassen zu können. Familien werden getrennt, die komplette Existenz hinter sich gelassen, Hab und Gut, einfach Alles. 

Nur selten schaue ich Fernsehen, meistens zum Abendessen und sollten dabei mal die Tagesnachrichten dazwischen funken, bitte ich André umzuschalten. Wenn ich sehe, was da draußen abgeht, wird mir schlecht und das Gefühl von Wut, Ungerechtigkeit und Hilflosigkeit macht sich in mir breit. Hinschauen tut weh! Sobald ich mich näher mit dieser schwierigen Thematik befasse, Artikel dazu lese oder Bilder sehe, schießen mir Tränen in die Augen. Doch Wegschauen und auf der abgeschirmten rosaroten Wolke leben, bringt mir und auch den Hilfsbedürftigen im Grunde rein gar nichts.

Wir sind manchmal so sehr mit uns selbst beschäftigt, dass wir  vergessen, ein Stück unseres „Glücks“ abzugeben. Damit meine ich nicht gute Taten, wie der älteren Dame die Tür aufzuhalten oder an der Kasse den netten Mann vorzulassen, sondern Taten, die etwas mehr Engagement und Eigeninitiative fordern. Taten, denen auch ich schon längst nachgehen wollte und nicht nur dann, wenn sie gerade in den Medien breit vertreten sind.

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Nicht labern, sondern handeln! Also fuhren wir vom Flughafen zurück nach Hause und fanden auf der Internetseite von muenchen.de eine gut sortierte PDF-Liste über benötigte Sachspenden für Flüchtlinge und Bedürftige in München. Die Diakonia München nimmt an drei Standorten in und bei München Kleider- und Sachspenden von Privatpersonen entgegen. Besonders Männerkleidung in Größe S und M wird derzeit dringend benötigt.

Nachdem wir Andrés Kleiderschrank aussortierten und den Drogeriemarkt plünderten, war an der Annahmestelle West bereits reges Treiben angesagt. Ein Auto nach dem anderen verließ im Minutentakt die Zufahrt und gab zuvor diverse Spenden ab. Soviel Solidarität auf einmal zu sehen, war einfach nur ein tolles Gefühl!

Nach einem Telefonat mit der Diakonia Leiterin für Spenden-Sortierung ist es zusätzlich möglich, Päckchen direkt an die Annahmestellen per Post zu senden oder große Gegenstände wie Möbel etc. abholen zu lassen. Auf der Internetseite der Diakonia besteht darüber hinaus die Möglichkeit, Geld sowie die ebenso wertvolle Zeit zu spenden, indem man selbst mit anpackt.

Auch in vielen anderen Orten findet man Organisationen, die sich für die Flüchtlingshilfe einsetzen und nach ehrenamtlichen Helfern suchen, sowie für Spenden dankbar sind. Einmal im Internet gegoogelt oder auf Facebook nach bereits gegründeten Gemeinschaften wie „Flüchtlingshilfe“ gesucht und schon wird man schnell fündig.

Mit diesem Post möchte ich darauf aufmerksam machen, dass wir hinsehen müssen, auch wenn es weh tut! Denn genau das ist es, was uns antreibt und bewusst werden lässt, wie dringend unsere Hilfe benötigt wird!

Auch wenn grausamerweise ständig schreckliche Dinge in der Welt passieren, fühlte sich das Verfassen von Lifestyle- und Fashion-Posts besonders in den letzten Tagen ziemlich unbedeutend an. Dennoch geht das tägliche Leben mit all seinen Aufgaben und Verpflichtungen weiter. Dabei ist es durchaus möglich, Engagement und „Alltag“ unter einen Hut zu bekommen. Für mich war dies der zündende Anlass, meinen Worten auch weiterhin Taten folgen zu lassen.

Dafür braucht es gar nicht viel, man muss es nur tun!

Euer Julchen ♥

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