Erst neulich ging es mit der Familie ins schöne Hamburg, um dort den runden Geburtstag meiner Mama im engsten Kreis nachzufeiern. Ein paar Tage zuvor telefonierten wir und ich fragte sie, wie sie sich denn nun so mit einem knappen 3/4 Jahrhundert auf dem Buckel fühlen würde. Eine oft rhetorisch gestellte Frage, die sicher jedes Geburtstagskind schon einmal gehört hat. Doch ihre ehrliche und nicht lang überlegte Antwort bewegte mich intensiver, als ich gedacht hätte. Die Uhr tickt!
Auf meine Frage hin antwortete sie, dass sie nun nicht mehr allzu viele Jahre vor sich haben würde und hofft, dass sie weiterhin gesund bleiben wird, um die Zeit in vollen Zügen genießen zu können. Am nächsten Morgen wachte ich unter Tränen auf und konnte mich eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr beruhigen. Ich träumte von meinen Eltern und den Rest könnt ihr euch sicherlich denken.
Auch wenn dieses Nightmare unendlich weh tat, bin ich dankbar dafür. Es hat mich wachgerüttelt und meine Gedanken, die schon lange in meinem Unterbewusstsein schlummerten, aufgeweckt. Es war nur ein mieser Traum! Ein Warnschuss mit einer neuen „Chance“. Die Chance, die absehbare und vergleichbar wenige Zeit, die ich mit meinen Eltern noch haben werde, intensiver und bewusster zu nutzen.
Manchmal frage ich mich, ob ich zu sehr mit mir selbst beschäftigt bin?! Und ob irgendwie ständig andere Dinge mehr Priorität haben?! Meine Familie ist mir unglaublich wichtig und steht für mich an erster Stelle. Doch wie wichtig kann sie mir sein, wenn ich mit meiner Mama telefoniere, nebenbei eine Email schreibe und ihr nicht meine ungeteilte Aufmerksamkeit schenke – auch wenn die Themen, die sie gerade bewegen, mich hin und wieder nicht ganz so packen.
Irgendwann ist es zu spät und ich werde ihre Stimmen schmerzlich vermissen. Die tiefgründigen und auch die belanglosen Gespräche, ihre ansteckende Lebensfreude und ihr über die Jahre gesammeltes Wissen. Ich bin mir sicher, dass es das Schlimmste im Leben ist, etwas zu bereuen, was man niemals mehr ändern kann.
Oft erwische ich mich dabei, wie mich gewisse Aussagen meiner Eltern auf die Palme bringen und ich am liebsten Dinge sagen würde, die mir zwei Sekunden später wieder leid tun. Hin und wieder gelingt es mir, über den jeweiligen Situationen zu stehen, doch manchmal eben nicht.
Ältere Menschen kann man nicht ändern. Das ist Fakt! Doch man kann versuchen, sich selbst zu kontrollieren und seine Worte bedachter zu wählen, ohne dabei jemanden zu verletzen. Für ein verständnisvolleres und liebevolleres Miteinander.
„Das Erste, das der Mensch im Leben vorfindet, das Letzte, wonach er die Hand ausstreckt, das Kostbarste, was er im Leben besitzt, ist die Familie.“
Daran sollten wir immer denken und mit der richtigen Dosis handeln, so dass wir später, hoffentlich in langer langer Zukunft, nichts bereuen, sondern mit einem Lächeln auf die schöne Zeit zurückblicken können.
Euer Julchen ♥
Jenny 30. April 2017 at 18:48
Liebes Julchen! Das hast du so schön geschrieben und es ist so wahr! Ich ertappe mich auch oft dabei, dass ich etwas genervt bin, wenn meine Mama mal wieder nicht so viel Zeit für mich hat oder mein Schwiegerpapa mir das 100x die gleiche Geschichte erzählt. Aber ich denke auch oft daran, dass meine Mama noch viel arbeiten geht, kaum Freizeit hat und diese dann auch mal für sich auskosten möchte. Man weiß nie wie viel Zeit einem noch bleibt. Das kann ich aber auch erst so erkennen, seit ich über die 40 gerutscht bin. Die Zeit rennt und deshalb sollte man auch mal egoistisch sein und seine Zeit für sich nutzen. Meine Schwiegerpapa lebt halt gerne in der Vergangenheit, also soll er seine Geschichten eben 100x erzählen wenn es ihn glücklich macht. Später werden mir diesen Geschichten bestimmt fehlen. Aber auch mir fehlt es sehr schwer an dieses schreckliche Ereignis zu denken und schiebe es weg! Immer in positiven Gedanken, dass meine Eltern und meine Schwiegereltern noch ein langes schönes gesundes Leben vor sich haben! Und dabei nehme ich mich mit meinen Ansprüchen zurück, damit sie glücklich sind! Auch sie haben sich lange zurück genommen, damit wir glückliche Kinder sein können. Heute können wir es ihnen zurück geben! Oh ha, ist etwas lang geworden, aber eigentlich wollte ich nur sagen… schöne Worte die du gefunden hast! ;o)
Liebste Grüße von Jenny
Stylingliebe 3. Mai 2017 at 12:27
Liebe Jenny, das hast du ganz wundervoll und absolut treffend geschrieben! In einigen Punkten kann ich dich besonders gut verstehen, da haben unserer Schwiergerpapis definitiv die gleiche Angewohnheit ;) Ich denke da ganz genauso wie du und nehme es hin. Passender hättest du es nicht ausdrücken können: man nimmt sich selbst zurück und versucht somit ein Stück zurückzugeben. Erst wenn man selbst Kinder hat, denke ich, kann man so richtig verstehen und wertschätzen, was Eltern für ihre Sprösslinge getan haben. Ich danke dir für deine schönen Worte und freue mich jedes Mal, von dir zu lesen! Danke von Herzen für´s immer mal Vorbeischauen <3
Liebste Grüße
Julia
Vanni 29. April 2017 at 9:49
Wow, toller Beitrag. Das rüttelt einen wirklich wach, auch wenn ich noch sehr jung bin. Danke schön, jetzt versichert ich meine Zeit intensiver und sinnvoller zu nutzen
Stylingliebe 29. April 2017 at 16:11
Dein Kommentar freut mich wirklich sehr liebe Vanni! Ich denke auch, dass das Alter hierbei keine Rolle spielt :)
Liebste Grüße
Julia
Sassi 26. April 2017 at 18:13
Was für ein wundervoller Post. Du hast absolut recht, denn die Zeit mit unseren Liebsten ist begrenzt. Manchmal vergessen wir das und es musst erst etwas passieren, dass uns wach rüttelt.
Erst dann nehmen wir uns mehr Zeit und lassen den Alltag auch mal Alltag sein. Und irgendwann, ja da hat er uns wieder der Alltagstrott und wir vergessen die Zeit bis zum nächsten Wachrüttle-Ereignis.
In diesem Sinne danke ich dir für diesen Post, denn genau das war mein Wachrüttle Ereignis ;)
Hab einen wundervollen Abend <3
Liebste Grüße
Sassi
Stylingliebe 28. April 2017 at 17:52
Vielen vielen Dank für deinen schönen Worte du Liebe! Ich freue mich immer riesig von dir zu lesen <3
Ich wünsche dir ein tolles Wochenende!
Liebste Grüße
Julia
Danie 26. April 2017 at 14:06
Da hast du vollkommen recht. Es ist viel schneller „vorbei“ als man denkt …
Mein Dad und meine Mum werden/wurden 50 … Selbst das ist schon ein wahnsinn. Man weiß ja nie hat man noch 20 Jahre mit ihnen oder mehr …
LG aus OÖ Linz
Danie von http://www.daaaniieee.at
Stylingliebe 28. April 2017 at 17:54
Liebe Danie, deine Gedanken kann ich absolut nachvollziehen – auch wenn deine Eltern „erst 50“ wurden. Ich glaube, diese Sorgen/Ängste begleiten uns unterbewusst schon länger, als wir denken.
Viele liebe Grüße aus München
Julia
Rebeka 26. April 2017 at 12:08
Oooooh man, mich rührt das ganze zu tränen ;-(
Stylingliebe 28. April 2017 at 17:58
Awww, ich freue mich riesig, dass dich mein Beitrag so sehr berührt hat! Das Thema ist in der Tat unglaublich traurig. Ich danke dir für dein schönes Kommentar und sende dir viele liebe Grüße.
Julia
Ruth 26. April 2017 at 11:46
Ein richtig toller Artikel liebe Julia. Das Thema ist wirklich unglaublich wichtig. Ich denke es ist ein Thema, was auch häufig einfach verdrängt wird, weil man sich damit erst gar nicht auseinander setzten möchte. Aber dennoch gehört es zum Leben einfach mit dazu und die Gedanken darüber rufen einem auf wieder ins Gedächtnis wie wertvoll das Leben ist und vor allem die Lebenszeit.
Liebste Grüße
Ruth
http://ruthgarthe.com
Stylingliebe 28. April 2017 at 18:01
Das hast du wunderbar geschrieben meine Liebe! Genauso wird es den meisten von uns ergehen, man sieht gekonnt drüber hinweg – doch so ein kleiner „Wachrüttler“ wie bspw. dieser Traum, sind hin und wieder Goldwert.
Ich drück dich ganz fest!
Julia
Tatjana 26. April 2017 at 6:51
Liebe Jule, ein echt toller Post<3 solche Gedanken hatte ich auch schon oft und nachdem der Vater meines Freundes an Ostern verstorben ist, wurden diese stärker und man muss sich immer wieder sagen…genieße die Zeit mit den Liebsten:-). Aber eben auch nicht verrückt machen, denn dann hat man nur noch Ängste. Fühl dich gedrückt Lg Tatjana
Stylingliebe 28. April 2017 at 18:05
Genauso ist es! Die richtige Dosis ist hier wohl der Mittelweg. Schade nur, dass wir immer erst durch einschneidende Erlebnisse daran erinnert werden müssen, die Zeit mit den Liebsten intensiver zu genießen. Was an Ostern passiert ist, tut mir sehr leid für deinen Freund. Alles Gute für ihn und seine Familie!
Liebste Grüße
Julia
Giulia Malano 25. April 2017 at 23:04
Amazing post! I like your blog and I’ll be happy if we start to follow each other!
http://julesonthemoon.blogspot.it/
Stylingliebe 28. April 2017 at 18:06
Thank you so much :)
Bride Inside 25. April 2017 at 22:34
Wie wahr, wie wahr. Ich muss dir ein Geheimnis verraten, egal wie sehr du ihr deine Aufmerksamkeit schenkst, am Ende wirst du dich trotzdem fragen: War es genug? Hätte ich mehr tun können? ….
Ich habe meine Mutter vor 6 Jahren verloren. Erst vor kurzem habe ich mich getraut darüber zu schreiben. http://www.bride-inside.com/lifestyle-blog/dear-mum.html
Es ist nicht leicht, die Balance zwischen dem schmalen Grad zu finden, zu behalten und alle damit glücklich zu machen.
Genieße die Zeit mit deiner Familie so gut und intensiv du kannst. Mehr bleibt dir nachher nicht, die Erinnerungen sind das was bleibt.
Liebe Grüße,
Bride Inside
Stylingliebe 28. April 2017 at 18:09
Es tut mir schrecklich leid, dass du deine Mutter so früh verlieren musstest und ich glaube dir deine Worte nur zu gut. Vielen Dank für dein offenes Kommentar! Deinen Artikel werde ich mir direkt mal anschauen.
Viele liebe Grüße
Julia
Sarah 25. April 2017 at 22:11
Liebe Julia, du sprichst wohl nicht nur mir aus der Seele. Es ist sicher ein wenig unsere Generation, die Zeit der Hochzeiten und der Familiengründungen die uns gerade jetzt so nachdenklich stimmen. Oder wie bei mir auch große Lebensveränderungen wie das Reisen in ferne Länder. Ich hatte wie du oft schon den Gedanken daran, wie es sich wohl anfühlen wird wenn sie plötzlich nicht mehr da sind und bin jedes Mal in einem Tränenfluss geendet. Ich hatte noch nie vor etwas so große Angst wie vor dem Tod meiner Eltern. Den liebsten und kostbarsten Menschen an meiner Seite. Und dich wird es eines Tages soweit sein, hoffentlich erst weit weit in der Zukunft. Nutzen wir die Zeit!!!:-)
Stylingliebe 28. April 2017 at 18:11
Liebe Sarah, ich freue mich sehr, hier von dir zu lesen! Und vielen Dank für deine schönen und offenen Worte, denen ich dir voll und ganz zustimme.
Sei ganz lieb gegrüßt!
Julia
Natascha 25. April 2017 at 21:28
Wow! Ein sehr berührender Artikel, aber wunderschön geschrieben! :D
Liebe Grüsse,
Natascha von http://www.mikkis-blog.com
Stylingliebe 28. April 2017 at 18:12
Vielen lieben Dank, das freut mich sehr zu lesen :)