Stillen in der Öffentlichkeit. Ein Thema, das die Geister scheidet und immer wieder für neuen Gesprächsstoff sorgt. Ich möchte euch heute von meinem „Weltbild“ berichten. Von meiner ehrlichen Einstellung vor und auch nach der Geburt meiner Tochter. Von zwei Ansichten, die nicht unterschiedlicher sein könnten. Vor allem aber von eigenen Vorurteilen und unvorhergesehenen Erkenntnissen.

Ich hatte nie Berührungspunkte mit dem Stillen. Weder in meiner Familie, noch in meinem Freundes- oder Bekanntenkreis. Ich kannte zum damaligen Zeitpunkt niemanden, der als Kind gestillt wurde oder selbst stillte. Weder meine Eltern, noch meine Geschwister oder Generationen nach mir. Generell war mir diese Thematik unbekannt und teilweise sogar ein wenig befremdlich. Vielleicht aber auch, weil ich damals selbst nicht im passenden Lebensabschnitt stand und für Freundinnen, die frisch Mama wurden, nicht die richtige Ansprechpartnerin war. Ich hatte wahrscheinlich nicht das bewusste Ohr, noch die ernsthafte Wahrnehmung dafür – auch wenn ich höflich fragte, ob denn mit dem Stillen alles klappen würde. Eine pauschale Frage, die ich heute mit einer ganz anderen Ernsthaftigkeit stellen würde.

Schlüsselmomente

Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich vor einigen Jahren in einem Café in Hannover saß. Mein bestelltes Essen wurde gerade serviert, als plötzlich neben mir ein lautstarkes Schmatzen ertönte. Eine Mutter stillte ihr Baby. Ganz offensichtlich, ohne ein Tuch, das ihre nackte Brust oder ihr Kind bedeckte. Ich war regelrecht schockiert und fast schon empört darüber, wie sie nur so handeln konnte, obwohl ich doch gerade essen wollte. Der Appetit verging mir und ich rollte mit den Augen. Heute schäme ich mich sehr für meine Reaktion.

Einen zweiten Schlüsselmoment erlebte ich vor nicht all zu langer Zeit in München, meiner neuen Heimat. Ich war hochschwanger, hatte bis dato schon ein wenig mehr über das Thema Stillen verinnerlicht, jedoch eigentlich noch immer keinen blassen Schimmer von der Materie.

Wir besuchten ein völlig überlaufenes schwedisches Möbelhaus, um für unseren Umzug in die neue Wohnung vorzusorgen. An der Kasse rannte André noch einmal in die Deko-Abteilung, da ich mal wieder etwas vergessen hatte. So wartete ich also mit zwei vollgepackten Körben und einer riesigen Murmel neben der Hot-Dog-Station und hatte einen relativ guten Blick auf die breiten Gänge der Lagerhalle.

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Zwischen den Menschenmassen erblickte ich eine Frau, die ihr Kleinkind im Einkaufswagen schob, plötzlich stoppte und mitten im Gang ihre blanke Brust herausholte, um es daran trinken zu lassen. Ich traute meinen Augen kaum! Ich erwartete in wenigen Wochen selbst Nachwuchs, doch ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, selbst irgendwann genauso zu handeln. Wieder war ich geschockt! Geschockt über so viel Rücksichtslosigkeit gegenüber ihren Mitmenschen.

Kurz darauf setzte sich eine Mutter mit ihrem Baby auf eine Sitzgruppe vor mir und stillte ihr Kind. Auch hier hatte ich wieder komplette Sicht auf ihre Brust. Das war eindeutig zu viel an einem Tag für mich! Zu viel nackte Haut und intime Momente, mit denen ich ungewollt konfrontiert wurde und die ich damals nicht einordnen konnte. Ich war kurz davor, meine Gedanken in einen Blogpost zu packen. Zum Glück sagte ich mir damals schon, dass ich doch erst einmal selbst in der Situation stecken möchte, bevor ich drauf los schreibe. Wer weiß, vielleicht kann ich plötzlich verstehen und nachvollziehen. Auch wenn ich es mir damals nur sehr schwer vorstellen konnte.

10 Monate Stillliebe

Und tatsächlich, heute nach 10 Monaten intensiver Stillliebe kann ich sehr gut verstehen und vor allem sehr gut nachvollziehen. Heute weiß ich, dass es eins der größten Wunder des weiblichen Körpers ist, sein Kind aus eigener Kraft ernähren zu können. Dass das Wohl des Kindes an allererster Stelle steht (egal, wann und wo!) und das Stillen eine der natürlichsten Sachen der Welt ist.

Heute überkommt mich ein Gefühl von Wärme und Zufriedenheit, wenn ich eine stillende Mama sehe. Ich freue mich für sie und ihr Kind. Sehe die Liebe, die Fürsorge und die Schönheit. Ist es nicht das, was wirklich zählt? Ich freue mich darüber, dass es klappt – ganz egal, wie viel Haut ich dabei zu Gesicht bekomme. Ich kann den gegenseitigen Austausch von geballter Geborgenheit und den besonderen Moment nachempfinden, der das Stillen so einzigartig macht. Denn es ist viel mehr als nur Füttern.

Und ich bin stolz. Stolz auf alle Mamas, die sich nicht von Vorurteilen (wie einst von Idioten wie mir!) beirren lassen, die genauso gerne stillen und auf ihren Körper vertrauen.

Ein gesellschaftlicher Wandel

Die eigene Brust ist nach der Geburt wahrlich nicht mehr die, die sie noch davor war. Mit Erotik oder Sexualität hat sie in Stillphasen so gut wie nichts mehr zu tun. Als stillende Mutter ist dieser Wandel absolut ok und man ist dankbar dafür, was der Körper leistet. Schließlich erfüllt die Brust mit dem Stillen doch den eigentlichen Sinn und Zweck ihres Daseins, oder? Vielleicht ist das auch der Grund, warum Außenstehende das Stillen in der Öffentlichkeit nur schwer einsortieren können?! Weil die „eigentliche Brust“ in unserer Gesellschaft einer anderen Rolle zugeteilt wird. Ich bin jeodch guter Dinge, dass sich dieses gesellschaftliche Bild allmählich ändert und der Meinung, dass wir uns sogar schon mittendrin befinden.

Das Stillen wird immer mehr und mehr thematisiert und unterstützt, sodass es vielleicht auch bei uns schon bald einen ähnlich „normalen“ Status wie in anderen Ländern erlangen wird. Ich würde es mir auf jeden Fall sehr wünschen! Ich wünsche mir mehr Verständnis und Nächstenliebe für das wundervollste, was wir Menschen erschaffen können. Unsere Kinder.

Stillen in der Öffentlichkeit – ja oder nein?

So gern ich mir Bilder von stillenden Frauen bspw. in den sozialen Medien anschaue, die das Breastfeeding supporten und ebenfalls für mehr Akzeptanz sorgen, wird es von mir und meinem Kind dennoch keine Fotos dieser Art geben. Mir persönlich ist dieser Moment zu intim, zu innig und zu zerbrechlich, um ihn bildlich festgehalten mit der Außenwelt zu teilen. Ich werde mir auch weiterhin ein ungestörtes Plätzchen zum Stillen suchen und einen Stillschal benutzen. Nicht, weil es mir unangenehm ist (ganz im Gegenteil!), sondern eher, um meinem Kind die nötige Ruhe und den Schutz zu schenken, den es dabei braucht. Ich schenke uns Momente am Tag, die nur für uns zwei bestimmt sind und die ich weiterhin genießen werde, bis sie in dieser Form irgendwann vorbei sind.

Jede Mama spürt und weiß genau, was das Beste für ihr Kind ist. Stillen in der Öffentlichkeit? Ja oder nein? Offensiv oder eher zurückhaltend? Das ist jeder Mama selbst überlassen. Und jede Mama wird sich dabei instinktiv richtig entscheiden. Instinktiv richtig für ihr Kind. Das kann ich heute mit gutem Gewissen, frei von jeglichen Vorurteilen behaupten.

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Man lernt nie aus…

Wieder einmal hat mich das Leben gelehrt, dass es erst Sinn macht, seinen Senf abzugeben, wenn man selbst aus Erfahrung sprechen kann. Dass es absolut nicht fair ist, zu urteilen, wenn man selbst keinen blassen Schimmer hat. Für diese Erkenntnis bin ich sehr dankbar und froh, diese Lektion erfahren zu haben.

Gerne möchte ich auch eure Meinung zu diesem Thema wissen. Erzählt mir von euren Ansichten und Begegnungen als stillende oder nicht stillende Mama, als Frau oder Mann mit oder ohne Kinder. Ich bin sehr gespannt auf einen Austausch mit euch!

Happy Sunday meine Lieben!

Euer Julchen ♥